Der Recherche-Baukasten ist öffentlich
Ein wirksamer Überweisungsbetrug wirkt oft so, als hätte der Angreifer Insiderwissen. Meistens ist es kein Insiderwissen – es ist zusammengesetztes Wissen. Die Bausteine stehen in Anzeigen, Firmenverzeichnissen, Newslettern, LinkedIn-Karriereupdates und Bezirks-Registrierungen.
LinkedIn: Rollen und Vertretungen
Öffentliche Profile nennen Titel, Zuständigkeiten und Zeiten. Ein Angreifer sieht sofort, wer typischerweise Überweisungen freigibt, wer die Vertretung übernimmt und welcher Kommunikationsstil natürlich klingt.
Firmenwebsite: Prozess und Ton
Team- und Prozessseiten liefern Namen, Fotos, Aufgabenverteilung und Sprachduktus. Fußzeilen, Newsletter und Blogs zeigen, wie eine echte Nachricht signiert wird – bis hin zum bevorzugten Gruß.
Pressemitteilungen und Register: Termine und Beträge
Größere Transaktionen erscheinen in Nachrichten und Registern – Käufer, Verkäufer, Kreditgeber, Abschlussdatum. All das rahmt eine plausible „aktualisierte Anweisung" zum richtigen Zeitpunkt.
Social Media: Timing und Emotion
„Wir haben ein Haus!"-Posts, Abwesenheitsnotizen oder Statusupdates verraten den emotionalen Kontext einer Transaktion. Angreifer nutzen dieses Fenster, weil Menschen unter emotionaler Belastung schwerer skeptisch bleiben.
Was das für die Verteidigung bedeutet
Da nichts davon technisch verhindert werden kann, muss der Schutz woanders liegen: bei der Prüfung von Identität und Kontodaten außerhalb der öffentlichen Angriffsfläche. Wer nicht kontrollieren kann, was Angreifer wissen, muss kontrollieren, was ohne Prüfung als legitim gilt.
- Sollten wir aufhören, Team-Infos zu veröffentlichen?
- Nein – öffentliche Präsenz gehört zum Geschäft. Der Schutz sitzt im Prüfschritt vor der Überweisung, nicht in Informationsverzicht.
- Kann Verifikation trotzdem greifen, wenn Angreifer alles über die Transaktion wissen?
- Ja. Öffentliche Informationen helfen, die Nachricht plausibel zu gestalten; sie lassen den Angreifer nicht die biometrische Identitätsprüfung bestehen.
